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Na, schon richtig angekommen in Indonesien?

Autor: AnnikaW | Datum: 08 Februar 2018, 09:22 | 1 Kommentare

„Wie definiert man eigentlich das 'richtig Ankommen' ?" - Diese Frage habe ich mir vor einigen Tagen morgens gestellt, während ich bei warmen 27Grad und Sonne die viel befahrene Straße entlang nach Hause gelaufen bin. Bisher habe ich immer gesagt oder gedacht: „Mir geht es hier sehr gut, aber richtig angekommen bin ich noch nicht...", jetzt würde ich das nicht mehr so sagen und der Auslöser dafür ist eigentlich ganz simpel: Ich habe an jenem Morgen einen Stundenplan von der Schulleitung der Schule bekommen, von dem ich mir erhoffe, dass dieser auf Dauer nun so etwas wie einen Alltag für mich bedeutet. Bin ich jetzt angekommen? - Ja, ich glaube schon. Denn dass ich jetzt einen Alltag habe beruhigt mich ungemein, vor allem nachdem die ersten zwei Monate hier ständig alles auf unkonkreten Infos aufgebaut war und somit viel Ungewissheit bei mir herrschte. Zudem habe ich, an jenem Morgen, nach Feierabend in der Schule festgestellt, dass ich mich wirklich darauf freue zu meiner Gastfamilie nach Hause zu gehen. Und mit der Ankunft der ersten Pakete aus Deutschland, über die ich mich sehr gefreut habe, habe ich etwas erschrocken festgestellt, wie selten ich nur noch mit meinen Gedanken in mein „deutsches Leben“ abschweife. Versteht mich jetzt bitte nicht falsch, das ist schwierig auszudrücken: klar denke ich an meine Familie und Freunde, aber dann vermisse ich die Personen und wünsche mich nicht komplett nach Deutschland zurück.

Oft wird mir hier auch die Frage „Dari mana?" (Woher kommst du?) gestellt und bisher habe ich darauf immer „Dari Jerman" (aus Deutschland) geantwortet. Nun war ich ja zwei Wochen mit meinen Mitfreiwilligen auf Sulawesi. Jeden Falls wurden wir dort auch des Öfteren gefragt, wo wir denn herkämen, allerdings haben wir immer recht unbewusst geantwortet; „dari Jawa Timur" oder „dari Papua", haben also den Ort unseres momentanen Zuhauses benannt und einigen war auch anzumerken, dass sie nicht erwartet haben, dass wir „Weißen" einen indonesischen Ort als unsere Heimat benennen. Jeden Falls denke ich mittlerweile, dass ich, ohne es wahrgenommen zu haben, hier in Malang "richtig angekommen" bin und das macht mich sehr glücklich.

Ich probiere für euch hier mal das, was ich hier zur Zeit meinen Alltag nenne zu skizzieren:
5:30 Uhr: mein Wecker klingelt zum ersten Mal. 5:40Uhr: mein Wecker klingelt zum zweiten Mal. 5:45 Uhr: ich gebe auf, kletter unter meinem Mückennetze hervor und gehe duschen. Duschen heißt, ich schöpfe mit einer Kelle kaltes Wasser aus einer Wanne und schütte sie mir über den Kopf..danach bin ich dann definitiv wach. Wenn ich dann nach unten in die Küche komme, haben mir mein Gastvater meistens schon einen Tee gekocht. Frühstücken tue ich hier mittlerweile wie meine Gastfamilie mit Reis und was es dann halt dazu gibt: Gemüse, Fleisch oder auch Nudeln. Will ich mal nur Brot zum Frühstück essen, muss ich immer gleich erklären, warum ich denn „nichts" essen möchte, daher habe ich das eher aufgeben..

6:30 Uhr: ich verlasse das Haus, stelle mich an den Straßenrand und warte auf das richtige Angkot (kleiner, blauer Minibus), welches ich dann anhalte und womit ich zur Schule fahre. An der Straße, die zur Schule abbiegt rufe ich dann „kiri, Pak" (links) und werde wieder heraus gelassen, wobei ich noch ziemlich aufpassen muss dies rechtzeitig zu rufen...

Um kurz vor 7:00 Uhr komme ich dann meistens in der Schule an und werde immer fröhlich begrüßt. Hier ist es üblich, dass die Kinder Erwachsene, Lehrer oder allgemein ältere Personen, damit begrüßen (und verabschieden), dass sie ihnen die Hand geben und dabei die Hand der Person zum Ausdrucks des Respekts an ihre Wange oder Stirn führen. Und auf diese Weise werde auch ich von allen Schülern und Schülerinnen mit einem freundlichen „Good morning Miss Annika" auf den Lippen begrüßt.

Um 7:00 Uhr sammeln sich dann alle Schüler*innen in einem Klassenraum singen gemeinsam christliche Lieder, beten und lesen eine Bibelstelle, die dann meistens von der Schulleitung noch weiter ausgeführt wird –  wie eine Morgenandacht also.

Um 7:30 Uhr beginnt dann der Unterricht. Ich unterrichte dann entweder Englisch oder Vertretungsstunden, in denen ich die Kinder einfach beaufsichtige während sie Mathe-, Indonesisch-, oder sonstige Aufgaben bearbeiten oder selbst kreativ werden muss. In Freistunden bereite ich dann die nächste Stunde vor oder folge anderen Lehrerinnen in den Unterricht. Der Schultag gliedert sich jeden Tag in drei Unterrichtsstunden und bevor die Kinder nach der dritten Stunde dann nach Hause gehen dürden, singt und betet jede Klasse noch einmal für sich. Bis 12:30 Uhr bin ich also in der Schule.

Danach gehe ich nach Hause, helfe meiner Gastmutter, wasche meine Wäsche, mache was gerade so anfällt oder habe einfach Freizeit. Gibt es Aktivitäten der Jugendlichen, wie zum Beispiel eine Probe oder so, treffe ich mich noch mit ihnen an der Kirche. Die Kirche ist zu Fuß drei Minuten entfernt von meinem zu Hause hier.

Freitags arbeite ich statt in der Grundschule in einem zweisprachigen, privaten Kindergarten (TK Palm Kids). Allerdings wird in den Kindergärten hier nicht nur gespielt, sondern vor allem gibt es richtigen Unterricht (quasi eine Vorschule) und so unterrichte auch ich, möglichst spielerisch, die Kleinsten schon in Englisch. Die Besonderheit an diesem Kindergarten ist, dass generell alles dort auf Zweisprachigkeit ausgerichtet ist und auch die anderen Fächer und Anweisungen größten Teils auf Englisch gegeben werden.

Fester Bestandteil meines Wochenendes ist der sonntägliche Gange zur Kirche, ansonsten bin ich auch hier in meiner Freizeitgestaltung relativ frei.

Soweit ein kleiner Eindruck zu meinem alltäglichen Treiben hier. Ich bin mir sicher, dass darauf bald ein Update folgen wird.

Bis dahin wünsche ich euch allen in Deutschland einen schönen, bunten Alltag! 

Liebe Grüße aus Malang! Eure Annika!

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