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Erster Rundbrief

Autor: AnnikaW | Datum: 08 Februar 2018, 07:48 | 0 Kommentare

Etwas verspätet kommt hier nun die Textfassung meines ersten Rundbriefs für alle, die ihn noch nicht erhalten haben! Viel Spaß beim Lesen! Smile

 

                                                                                                                                                        Sulawesi, 15.01.2018

Hallo Liebe Unterstützer*innen,

Hallo Liebe Freunde und Verwandte,


Zwei Monate bin ich jetzt in Indonesien und freue mich, dass euch nun mein erster Rundbrief erreicht. Jetzt gerade, während ich diesen Brief schreibe, bin ich bei 23 Grad in Nordtoraja auf Sulawesi mit den anderen VEM-Indonesien-Freiwilligen beim Zwischenseminar. Aber das ist natürlich nicht der Ort an dem ich meine Einsatzstelle habe. Meine Einsatztestelle ist auf Ost-Java in der Stadt Malang. Malang ist die achtgrößte Stadt der Insel Java und in Indonesien bekannt für seine Äpfel und vielen Universitäten. Mir kommt Malang sehr groß vor und ich habe denn Eindruck, dass sich hier traditionelle Aspekte mit modernen Aspekten mischen. So gibt es neben den traditionellen Märkten auch große, moderne Supermärkte. Und neben kleinen Cafés, Restaurants und Straßenständen mit traditioneller indonesischer oder javanischer Küche, gibt es auch alle westliche Fastfood-Ketten wie PizzaHut, Mcs, Starbucks und so weiter. Bisher habe ich, abgesehen von Vollkorn-Brot oder meinem Lieblings-Käse, hier noch nichts weiter vermisst. Ich persönlich bevorzuge hier aber definitiv die indonesische Küche und probiere mich da gerne durch und bei der Menge an Essen, die ich hier bekomme, bin ich mir sicher, dass ich mindestens schon 5kg zugenommen habe! Mir wurde nämlich von Anfang an erklärt, dass man hier nur als „guter Gastgeber“ gilt, wenn seine Gäste während ihres Aufenthalts zunehmen...

Zu meiner Gastfamilie bin ich kurz vor Weihnachten gezogen. Die Zeit von Mitte November bis kurz vor Weihnachten habe ich auf dem Gelände des Kirchenbüros meiner Gastgeberkirche, die Gereja Kristen Jawi Wetan (GKJW), gewohnt. Dort hatte ich mein eigenes kleines Häuschen und habe jeden Abend eine bis zwei Stunden mit einer Kindergarten-Lehrerin aus der Gemeinde Indonesisch gelernt. Ansonsten war ich in der Zeit viel alleine und hatte viel (manchmal zu viel) Zeit für mich. Bei meiner jetzigen Gastfamilie fühle ich mich sehr wohl und meine Gasteltern haben mich von Anfang an als ihr „viertes Kind“ bezeichnet und auch so vorgestellt und besonders meine gleichaltrige Gastschwester Clara (im Bild zweite Person von rechts) hilft mir, Anschluss zu finden. In dem Haus meiner Gastfamilie habe ich ein eigenes kleines Zimmer, in dem ich mich immer

wohler fühle. Anfangs war ich von dem mehrstöckigen Haus mit seinen vielen Treppen, bunten Wandfarben, einem kleinen künstlichen Teich im Zentrum und ca. 20 Vogelkäfigen etwas geschockt, aber mittlerweile erinnert es mich ein bisschen an die Villa Kunterbunt und ich fühle mich sehr wohl. Auch in der Kirchengemeinde, der Jemaat Sukun, fühle ich mich gut aufgehoben. Meine Gastschwester hat mir geholfen, schnell Kontakt zu den Jugendlichen in meinem Alter zu knüpfen und die Jugendgruppe in der Kirche ist sehr aktiv und so bin ich schon mit ihnen zum Strand gefahren, war im Kino und bin im Neujahrsgottesdienst mit dem Jugendchor und bei einer Weihnachtsfeier mit einer kleinen Tanzgruppe aufgetreten. Ein Highlight war für mich, dass wir am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag als Gruppe von Haus zu Haus gegangen sind und den Gemeindemitgliedern „Frohe Weihnachten“ gewünscht haben und überall gab es (natürlich) eine Kleinigkeit zu essen. Diese indonesische Tradition nennt sich „Keliling-Keliling“ (Umherwandern) und ich fand es sehr interessant und das Beisammensein mit den Jugendlichen sehr schön.

Anders als ich es von Daheim gewohnt bin, wird hier der Alltag der Menschen und das gesellschaftliche Leben sehr vom Glauben und der Kirche bestimmt. Zumindest hier in meinem christlichen Umfeld. Zum einen liegt das, denke ich, daran, dass in der Pancasila (Die fünf Grundprinzipien der indonesischen Ideologie und Verfassung) vorgeschrieben ist, dass man einer der fünf anerkannten Religionen (Islam, Christentum, Buddhismus, Hinduismus, Konfuzianismus) angehören muss. Zum anderen ist der Glaube für die Identitätsbildung und Identifikation des Einzelnen mit einer/der Gemeinschaft sehr wichtig. So ist es eher die Ausnahme, dass jemand am Sonntag nicht in die Kirchen geht, da man durch den regelmäßigen Gang zur Kirche zum einen seine sozialen Kontakte pflegt, als auch seine Gläubigkeit beweist. Die Sonntags-Gottesdienste selbst unterscheiden sich nicht viel von den Gottesdiensten, die ich in Deutschland besucht habe. Es wird viel gesungen, aus der Bibel gelesen, gepredigt und gebetet, wobei hier die Gebete wesentlich länger sind. Sehr schön finde ich, dass das Vater Unser hier oft gesungen wird. Für mich ist das kollektivistische Denke und der gesellschaftliche Druck der, meines Empfindens nach, hinter dem Glauben steht, befremdlich, obwohl ich schön finde, dass die Kirche jedem einen Treffpunkt und die Möglichkeit für sozialen Kontakt bietet und man sich selbst als eine „große Familie“ sieht.

Einen persönlichen „Alltag“ habe ich noch gar nicht entwickelt und ein bisschen sehne ich mich auch danach, aber ich denke, dass entwickelt sich jetzt in der nächsten Zeit, denn Ende der ersten Januarwoche konnte ich endlich anfangen zu arbeiten. Meine hauptsächliche Arbeitsstelle ist bei der Sekolah Dasar YBPK Ngaglik (Grundschule) und liegt nur rund 15 Minuten von meinem hiesigen zu Hause entfernt. Die Schule an sich ist eher klein. Es gibt dort fünf Lehrkräfte für ca. 30
Schüler*innen, dementsprechend bestehen die meisten Klassen aus nicht mehr als fünf Schülern. Aber auch einen Arbeitsalltag kann ich euch noch nicht beschreiben, da ich erst drei Tage dorthin gehen konnte, bevor ich zum Zwischenseminar nach Sulawesi geflogen bin. In diesen ersten drei Tage habe ich allerdings schon das Unterrichtsmaterial für die erste bis sechste Klasse ausgehändigt bekommen und stand von meinem ersten Tag an alleine als Lehrerin vor einer Klasse. Am ersten Tag haben mich die Kinder mit eigenen guten Ideen zur Unterrichtsgestaltung gerettet und so habe ich zum Beispiel, auf Vorschlag der Kinder hin, in der dritten Klasse mit ihnen einen Memory-Spiel zum lernen der Zahlen gebastelt und dann auch gespielt. Schon der darauf folgende Tag hat vom Unterrichten her wesentlich besser geklappt, allerdings stellte es am Dienstag für mich eine ziemlich große Herausforderung dar, die vierte und sechste Klasse gleichzeitig zu unterrichten, auch wenn beide Klassen zusammen nur aus sechs Kindern bestehen. In den nächsten Wochen heißt es jetzt für mich herausfinden, was genau an der Schule von mir erwartet wird und in wie weit ich dem gerecht werden kann, da ich ja nun mal keine ausgebildete Lehrerin bin, aber ich freue mich auf die Arbeit mit den Kindern und bin ganz zuversichtlich das meistern zu können. Neben der Grundschule soll ich ab Februar auch jeweils eine Tag in einem Krankenhaus für Kinder und Frauen und eventuell in einem Kindergarten arbeiten, darüber habe ich aber noch keine genaueren Informationen und werde davon sicherlich im nächsten Rundbrief berichten können.

Wie schon erwähnt bin ich am 10. Januar nach Sulawesi zum Zwischenseminar geflogen. Das Zwischenseminar ist ein von der VEM organisiertes Treffen der Freiwilligen, um ihre Erfahrungen und Erlebnisse der ersten Monate auszutauschen. Das Seminar der Indonesien-FW fand dieses Jahr in Nordtoraja in Rantepao statt. Gemeinsam mit sechs Freiwilligen der ems (Evangelische Mission in Solidarität) haben wir sechs Tage unsere Erfahrungen ausgetauscht, Themen diskutiert, mit denen wir hier in Indonesien konfrontiert wurden oder die uns interessierten und wir haben Ideen für Projekte Spiele, Lieder und Unterrichtsmethoden ausgetauscht. Außerdem haben wir einiges über die Toraja-Kultur gelernt, was ich sehr interessant fand, weil ich bisher ja „nur“ einen Teil der Javanischen Kultur in Malang erfahren habe. Geleitet wurde das Seminar von der Nord-SüdReferentin der ems und einer Vertreterin der christlichen Kirche Torajas. Ich fand das Seminar, auch wenn es bei mir durch die verspätete Ausreise etwas früher kam, sehr hilfreich und gelungen. Besonders davon mitgenommen habe ich viele Anregungen zur Gestaltung des Englischunterrichts für die Kinder und das Wissen, wie die anderen Freiwilligen mit verschiedenen Situationen umgegangen sind.  Es war in jeder Hinsicht sehr bereichernd. Bis zum 23. Januar bleibe ich nun noch mit den anderen beiden VEM-FW in Makassar und werde dann mit dem gewonnen Input des Seminars und viel Motivation endgültig meine Arbeit in Malang beginnen.

Zum Abschluss bleibt jetzt nur noch zu sagen, dass ich wirklich froh bin an dieser Einsatzstelle in Malang zu sein und ich der VEM und Euch, liebe Unterstützer, sehr dankbar bin, dass Ihr den anderen Freiwilligen und mir diese einmaligen und wertvollen Erfahrungen ermöglicht. Bei Fragen könnt ihr mir gerne eine Email an annika.isi@gmx.de  schreiben oder mich auf anderem Wege kontaktieren. Bitte behaltet im Hinterkopf, dass alles was ich mit Euch teile meine persönlichen Erfahrungen sind und nicht verallgemeinert werden dürfen. Auch sehr freuen würde ich mich, wenn Ihr meinen Blog unter annika.vem-freiwillige.de besucht. Dort versuche ich regelmäßig sowohl einzelne Ereignisse (wie zuletzt Weihnachten), als auch allgemeine Dinge mit Euch zu teilen.

Hati-hati dan sampai jumpa, (Passt auf euch auf und bis bald)

Eure Annika!

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